Die s.Oliver Baskets ziehen den Kopf einmal mehr aus der Schlinge – 91:85 OT-Heimsieg gegen die Gotha Rockets



91 : 85 (OT)


(17:25, 12:13, 21:19, 26:19, 15:9)



s.Oliver Baskets:

Carlos Medlock 28 Punkte (3 Dreier/8 Assists/5 Rebounds/3 Steals), Ruben Spoden 15/3, Darren Fenn 15, Jermaine Mallett 9/1, Jeremy Dunbar 8/1, Samme Givens 6, Jason Dourisseau 6, Sebastian Betz 4, Christian Hoffmann, Dominik Schneider.


OeTTINGER Rockets Gotha:

Carlton Guyton 26 Punkte (4 Assists), Marco Völler 14, Brad Lösing 13, Albert Kuppe 10, Christopher Razis 9. Will Reinke 6, Evan Harris 4, Felix Hoffmann 3, Torvoris Baker, Sebastian Fülle, Dmitrij Kreis.


Über zu deutlich gewonnene und gleichzeitig langweilige Heimspiele können sich die Fans der s.Oliver Baskets derzeit wahrlich nicht beschweren.  Kam man letzte Woche beim Duell mit Science City Jena gerade noch einmal mit einem blauen Auge davon (das Spiel konnte trotz recht mäßiger Leistung mit 91:87 gewonnen werden), so setzten die Mannen von Headcoach Doug Spradley im gestrigen Spitzenspiel der Zweiten Basketball Bundesliga – ProA gegen die OeTTINGER Rockets aus Gotha in Sachen Spannung und Thriller nochmal einen drauf. 

Völlig verschlafener Start in die Partie


Wie schon gegen Jena in der Vorwoche erwischten die Hausherren einen eher mäßigen Start in die Partie, wohingegen sich die Gäste aus Thüringen von Beginn an hellwach und bissig präsentierten, genau diese Eigenschaften ließ der Tabellenführer der ProA einmal mehr über weite Strecken des Spiels vermissen. Folgerichtig sollten die Punkte zum  4:3 der Gastgeber durch Center Urgestein Darren Fenn nach gut eineinhalb Minuten Spielzeit die vorerst letzte Führung für die Baskets bedeuten und das für eine lange Zeit.


Während sich die s.Oliver Baskets jeden Wurf, jeden einzelnen Punkt gegen die aggressive und gut organisierte Defense des Tabellendritten hart erarbeiten mussten, konnten die Thüringer ein ums andere Mal locker flockig durch die Würzburger Zone spazieren und einfache Punkte erzielen. Auch in Sachen Rebounds zeigten die Rockets, sehr zur Freude ihrer gut 150 mitgereisten Fans, die bessere Einstellung.


So lagen die Hausherren, völlig verdient, zum Ende des ersten Viertels mit 17:25 im Rückstand. Beim Baskets Anhang wurden schon jetzt böse Erinnerungen an die knappe 74:77 Niederlage im Hinspiel wurden wach. Zu allem Überfluss kam dann zu den kurzfristigen Ausfällen von Eigengewächs Max Ugrai und Ole Wendt vor dem Start des Spiels auch noch eine Verletzung von Backup Point Guard Chris Hoffmann hinzu, welcher im weiteren Verlauf der Partie nicht mehr eingesetzt werden konnte.


Die Defense ist Trumpf in Viertel Nummer zwei


Das zweite Viertel sollte dann, zumindest in Sachen Punkten, deutlich anders verlaufen. So konnte Gothas Aufbauspieler Brad Lösing erst nach zwei Minuten die ersten Zähler überhaupt in diesem Abschnitt erzielen. Insgesamt sahen die 3.081 Zuschauer in der nahezu ausverkauften s.Oliver Arena in diesem Viertel lediglich 25 magere Pünktchen von beiden Teams, wobei die Wurfauswahl der Hausherren nach wie vor - gelinde gesagt - nicht gerade optimal war. Halbzeitstand somit 29:38 für die Gäste aus Thüringen.


Klare Ansagen in der Halbzeitpause


Keine Ahnung was genau Doug Spradley seinen Mannen in der Halbzeitpause gepredigt hat, man munkelt die Kabinenwände haben ordentlich gewackelt, es schien zunächst Früchte zu tragen. Würzburg in der Defensive deutlich enger am Mann was die Gäste immer und immer wieder zu teils katastrophalen Ballverlusten zwang  - insgesamt 16 (!!!) in Halbzeit zwei.


Doch immer wenn man die Chance hatte mal näher als vier oder fünf Punkte an die Rockets heran zu kommen, verließ die Baskets entweder das Wurfglück oder man traf einfach keine guten Entscheidungen in der Offensive. Gotha hingegen wieder mit zwei, drei einfachen Körben und der Zwischenspurt der Würzburger war ein ums andere Mal wieder dahin.


So gewannen die s.Oliver Baskets das dritte Viertel zwar mit 21:19, insgesamt lag man aber weiterhin mit sieben Punkten im Rückstand.

Ein Thriller wie von Sir Alfred Hitchcock


Was nun im letzten Viertel, speziell in den letzten fünf Minuten um genauer zu sein, folgen sollte hätte direkt aus der Feder von Thriller-Meister Sir Alfred Hitchcock stammen können.


Zunächst wieder das gleiche Bild wie im Viertel zuvor. Würzburg kämpft, Würzburg beißt sich ran aber die Gäste aus Gotha haben immer wieder die passende Antwort. Bis, ja bis 15 Sekunden vor dem Ende. Rockets Aufbauspieler Brad Lösing macht nur einen seiner beiden Freiwürfe zum 70:73 für die Gäste. Was dann folgen sollte ist an Kuriosität nicht zu überbieten. Doch der Reihe nach…


Zunächst erzielt der an diesem Tag wieder einmal überragende Carlos Medlock per Korbleger das 72:73 und dann pennt Gotha beim Einwurf. Jermaine Mallett sagt recht herzlich DANKESCHÖN und erzielt unter dem tosenden Jubel der heimischen Fans - mit Foul - das 74:73 für den Tabellenführer – die erste Führung seit dem 4:3 durch Darren Fenn in Viertel Nummer eins. Da der Bonusfreiwurf aber leider daneben geht erhalten wiederrum die Gäste neun Sekunden vor dem Ende die nächste Siegchance.


Foul von Darren Fenn an Gothas Carlton Guyton welcher seinen Wurf dennoch im Korb der Baskets unterbringt und 3,5 Sekunden vor dem Ende sogar noch an die Freiwurflinie darf und den Bonusfreiwurf ebenfalls sicher verwandelt. Der endgültige KO für die s.Oliver Baskets? MIT NICHTEN! Carlos Medlock erhält nach dem Einwurf den Ball und sprintet wie von der Tarantel gestochen über das komplette Spielfeld und legt den Ball mit dem Buzzer zum 76:76 in die Maschen der Rockets - OVERTIME!


Der Jubel in der Arena kannte nun keine Grenzen mehr, währenddessen die Gäste aus Gotha sichtlich geknickt zu ihrer Auswechselbank schlichen.


In der Overtime die erfahrenere Mannschaft


Jeremy Dunbar eröffnete die dritte Overtime der Baskets in dieser Saison (die Spiele in Gießen und in Bamberg gegen Baunach konnten ebenfalls in der OT gewonnen werden), die erste vor heimischer Kulisse via Dreier zum 79:76 und erhöhte dann in der nächsten Aktion via Freiwurf sogar zum 80:76 für die s.Oliver Baskets. 


Nach einem erneuten Dreier vom überragenden Carlos Medlock zum 85:81 ca. zwei Minuten vor Schluss bog der Tabellenführer dann endgültig auf die Siegerstraße ein. Da fiel dann auch nicht weiter ins Gewicht, dass eben jener Carlos Medlock wenige Augenblicke später mit seinem fünften Foul auf der Bank Platz nehmen musste.


Spätestens mit dem And-One Korbleger von Jason Dourisseau inklusive verwandeltem Bonusfreiwurf war das Spiel beim Stand von 88:83 eine Minute vor dem Ende der Verlängerung faktisch zu Gunsten der Hausherren entschieden, auch wenn Gotha noch zwei, drei Mal „Stop the clock“ spielte, Würzburg sich aber an der Freiwurflinie keine größere Blöße mehr gab.


Am Ende also ein eher glücklicher 91:85 Erfolg für die Mannen von Doug Spradley, welcher über weite Strecken während und auch nach dem Spiel doch sichtlich angefressen wirkte.


Trotz dem insgesamt 25. Heimsieg in ihrer ProA Historie (noch nie haben die s.Oliver Baskets ein Heimspiel in der Zweiten Basketball Bundesliga – ProA verloren), blieben einmal mehr einige Fragen offen. 


- Warum schaffen es die s.Oliver Baskets nicht, selbst in einem vermeintlichen Spitzenspiel gegen einen direkten Tabellennachbarn, von Beginn an aggressiv und wach in das Spiel zu gehen? 


- Warum läuft man der Musik über weite Strecken des Spiels immer hinterher und lässt sich das Spiel des Gegners aufzwingen anstatt selbst den Ton anzugeben?


- Weshalb findet die eigentlich gute Würzburger Offensive über große Strecken im Spiel kein Mittel gegen die gegnerische Defense?


- Wie lange geht diese Spielweise noch gut und verbrauchen die Baskets bereits in der Hauptrunde der Saison ihren kompletten „Glücks-Bonus“? Wie soll das dann in den Playoffs funktionieren?


Fragen über Fragen also, auf die auch Doug Spradley derzeit noch keine wirklichen Antworten parat zu haben scheint, wie er auch in der Pressekonferenz nach dem Spiel wiederholt konstatieren musste.


„Man werde in dieser Trainingswoche einige Dinge ansprechen müssen und den Jungs klar machen dass das so nicht funktioniert“. Zeit dafür wird’s allemal…


Die Stimmen der Coaches


Doug Spradley, s.Oliver Baskets:


„Wir spielen unsere besten Basketball immer erst dann, wenn wir es müssen. Das müssen wir unbedingt ändern. Ich habe schon vor einer Woche nach dem knappen Heimsieg gegen Jena gesagt, dass eine Niederlage auch in Ordnung gewesen wäre. Heute sage ich es wieder: Gotha hat viel aggressiver gespielt als wir. Wir waren lange Zeit viel zu passiv im Angriff, außer in den letzten fünf Minuten vor der Verlängerung. Teilweise haben wir nur versucht, den Ball zu Darren Fenn zu bringen. Die 16 Ballverluste von Gotha in der zweiten Halbzeit haben definitiv eine entscheidende Rolle gespielt. Ich bin zufrieden mit dem Sieg, aber nicht mit der Leistung meiner Mannschaft.“


Chris Ensminger, OeTTINGER Rockets Gotha:


„Wir hatten fast das ganze Spiel die Kontrolle, haben uns aber im vierten Viertel und der Verlängerung zu viele Ballverluste geleistet. Wir hatten eine sehr gute Chance das Spiel zu gewinnen, aber am Ende hat Carlos Medlock den Wurf zur Verlängerung getroffen. In der Overtime war Würzburg dann die bessere Mannschaft. Das erinnert mich an letzte Saison, als wir beim Tabellenführer in Göttingen auch erst nach Verlängerung verloren haben. Trotzdem freue ich mich über eine sehr gute Leistung meiner Mannschaft. Es war auch ein gutes Spiel für die Zuschauer.“


Weiter geht die Mission #WueCOMEBACK für die s.Oliver Baskets am kommenden Sonntag mit dem nächsten Heimspiel gegen Heidelberg. Auch hier hat man mit den Gästen noch eine offene Rechnung aus der Hinrunde zu begleichen. Tip-Off in der s.Oliver Arena ist um 17 Uhr.


Text: F.L. / Fotos: Viktor Meshko 


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