André Koob - Torwart im Abseits


André Koob ist Torwart beim FC Würzburger Kickers. Soweit so gut und die allermeisten wären wohl äußerst zufrieden damit, aber André Koob kann nicht zufrieden sein. Er wechselte im Januar 2013 aus Großbardorf an den Dallenberg, bestritt seitdem 9 Spiele für die Kickers in der Regionalliga Bayern und kassierte dabei 13 Gegentore. Zweimal hielt er die Null in diesen insgesamt 765 Minuten Spielzeit.


Die Hinrunde verlief für ihn mehr als unbefriedigend, denn er hat lediglich eine Halbzeit spielen dürfen. 45 Minuten von 1980 möglichen - das ist deutlich zu wenig für einen ambitionierten Fußballer! Zuletzt stand er nicht einmal mehr im Kader der ersten Mannschaft, sondern wurde in die Zweite verbannt, was im Klartext  heißt Bezirksliga statt Regionalliga, TSV Lengfeld und SC Schollbrunn statt der Zweitvertretungen namhafter Bundesligisten. Doch selbst dort kam er bisher nur auf zwei Einsätze. Den Rest der Saison hütete er die Bank während er dem jungen Cosmin Andrei, der beim FWK II zwischen den Pfosten steht, zusehen musste. Dabei war er in der Rückrunde der letzten Saison noch der gefeierte Held, auf dem Sprung zur neuen Nummer Eins. 

Koob die neue Nummer Eins? Es sollte leider alles ganz anders kommen...

Nicht wenige hatten in der Sommer-Vorbereitung erwartet, dass er diese Saison das Tor beim FWK hüten und damit die langjährige Nummer Eins und Kapitän Daniel Tsiflidis ablösen würde, der die Rothosen im Sommer Richtung Griechenland verlassen hatte. Doch es kam alles ganz anders: urplötzlich verkündete man die Verpflichtung von Torwart-Routinier Robert Wulnikowski, der direkt zum neuen Stammkeeper avancierte. Seitdem steht der 23-jährige Koob auf dem Abstellgleis und wartet vergeblich auf seine Chance. Zugegeben, Wulnikowski (oder "Wulle", wie er am Dalle liebevoll genannt wird) gab Trainer Hollerbach bisher keinen Grund etwas an der Torhüterposition zu verändern. Nur einmal musste er verletzungsbedingt mitten im Spiel wechseln, so kam der aus Erfurt stammende Koob zu seinem ersten und bisher letzten Einsatz dieser Saison in der Regionalliga Bayern.


Als man schließlich mit Mario Miltner, der fortan auf der Bank sitzen sollte, noch einen weiteren Torwart verpflichtete, schien André endgültig keine Rolle mehr in den Plänen Bernd Hollerbachs zu spielen. Jedoch scheint er das alles gut wegzustecken, zumindest lässt er sich nach außen hin nichts anmerken, ganz im Gegenteil. Er ist immer freundlich und höflich, grüßt jedesmal wenn man ihm über den Weg läuft. Kurzum, er stellt sich in den Dienst der Mannschaft, wettert nicht gegen den Trainer und zettelt keinen Aufstand an. Sein Vertrag läuft noch bis 2016, ob er den erfüllen wird bleibt fraglich. Zufrieden ist er freilich nicht mit der aktuellen Situation, aber er respektiert und akzeptiert die Entscheidung Hollerbachs. Daran könnte sich so mancher Bundesligaspieler mal ein Beispiel nehmen.


Bei der Würzburger Stadtmeisterschaft im Hallenfußball durfte Koob dann endlich mal wieder zwischen den Pfosten stehen, wenn auch "nur" in der s.Oliver Arena und nicht im Dallenbergstadion. Dort spielte er bis zum Halbfinale durch, lediglich beim Spiel um Platz 3 wurde er geschont. Zuvor hatte er den entscheidenden 9-Meter vergeben, wodurch die Kickers frühzeitig ausschieden. An ihm lag es nicht, er hatte bis dorthin ein mehr als passables Turnier gespielt. Das sahen auch die lautstarken FWK-Fans so, die ihn mit Sprechchören ("André Koob, du bist der beste Mann!")  feierten.


Text: M.R. / Foto: FuPa.net