Würzburger Kickers gewinnen 33. Lokalderby gegen den WFV mit 3:1

1:3 

(0:2)



Würzburger FV: Jan-Peter Grunz – Martin Eck, Vladimir Slintchenko (66. David Drösler), Rene Schäffer, Andreas Ganzinger – Andreas Zehner (66. Mike Dellinger), Fazdel Tahir, Kevin Dees (85. Kevin Markert), Benjamin Schömig – Andreas Hetterich (85. Lukas Weimer), Simon Heim


FC Würzburger Kickers: Mario Miltner (76. Robert Wulnikowski) – Kostadin Velkov, Clemens Schoppenhauer, Niklas Weißenberger, Sebastian Sonnenberger (59. Christian Demirtas), Pascal Bieler – Nico Gutjahr, Adrian Istrefi, Manuel Dunke (59. Steven Lewerenz) - Sebastian Fries (46. Corvin Behrens), Daniel Diroll 


Tore: 0:1 Daniel Diroll (35.), 0:2 Nico Gutjahr (40.), 1:2 Martin Eck (47.), 1:3 Christian Demirtas (81./FE) 


Zuschauer: 322


Zum ersten Mal seit dem 3. Oktober 2012 trafen am gestrigen Sonntagmittag die beiden Stadtrivalen vom Würzburger FV und dem FC Würzburger Kickers aufeinander. Anders wie in der Vergangenheit ging es in diesem 33. Lokalderby allerdings weder um Punkte in der Meisterschaft noch um das Weiterkommen in einem Pokal Wettbewerb, sondern um einen guten Zweck genauer gesagt um die Hilfe für den finanziell angeschlagenen Verein von der Mainaustraße. 

 

Etwas enttäuschend war es daher sicherlich für die Verantwortlichen, dass nur 322 Zuschauer den Weg in die Sepp-Endres-Sportanlage gefunden hatten, darunter nur eine Handvoll Anhänger des aktuellen Spitzenreiters der Regionalliga Bayern. Der Charity-Gedanke war bei den Kickers Anhängern offenkundig leider nicht wirklich angekommen bzw. waren die Differenzen dieser beiden Klubs in der Vergangenheit einfach zu groß um diese für einen Nachmittag beiseite zu legen um ausgerechnet dem so verhassten Rivalen mit „Almosen“ unter die Arme zu greifen. Und so entschied man sich stattdessen das Spiel der zweiten Mannschaft gegen den TSV Lengfeld zu unterstützen. Äußerst schade für die Veranstalter, allerdings waren auch vom heimischen Anhang einige Leute zu Hause geblieben.

 

Sportlich wurde an diesem ersten Adventssonntag so einiges geboten, denn die Hausherren machten von der ersten Sekunde an klar, dass sie sich nicht wie das berühmte Opfer-Lamm zur Schlachtbank führen lassen wollten. Taktisch gut eingestellt und mit bissigem Einsatz boten sie den Kickers von Beginn an ordentlich Paroli und so dauerte es eine gute Viertelstunde bis sich die Gäste vom Dallenberg von ihren Gegenspielern frei spielen konnten und ihrerseits erste Akzente setzten. 

 

Torchancen blieben jedoch Mangelware, zu gut waren beide Abwehrreihen organisiert. Wenn die Kickers dann doch einmal in gute Schuss Position kamen, war da jedoch noch ein auch an diesem Tag glänzend aufgelegter WFV-Schlussmann Jan-Peter Grunz, der seine Farben ein ums andere Mal mit sehenswerten Paraden das torlose Remis rettete.

 

Nach einer guten halben Stunde wurde die Überlegenheit der Gäste dann doch immer spürbarer und in der 35. Spielminute konnte Daniel Diroll dann auch, nicht unverdient, zur Führung für den Favoriten einnetzen.

Dieses Tor zeigte bei der Truppe von WFV Trainer Christian Graf dann auch Wirkung und so fiel nur fünf Minuten später sogar noch das 0:2 durch Nico Gutjahr. Dies bedeutete gleichzeitig auch den Halbzeitstand.

 

Doch wer nun geglaubt hatte dass das Spiel zu Gunsten der Kickers bereits entschieden wäre, der hatte die Rechnung ohne den Tabellen-10. der Bayernliga Nord gemacht. Die Kickers schienen nach dem Anstoß zur zweiten Hälfte mit den Gedanken noch in der Kabine zu sein, als sich WFV Abwehrmann Martin Eck aus gut 20 Metern ein Herz nahm und völlig frei stehend einfach mal abzog und der Ball in den Maschen des Kickers Gehäuses einschlug. FWK-Keeper Mario Miltner war dabei ohne jede Abwehrchance.

 

Der Jubel unter den Anhängern der Blauen war groß und gleichzeitig setzte der Treffer bei den WFV Spielern weitere Kräfte frei. In den folgenden Minuten übernahmen die Gastgeber das Zepter der Begegnung und die Kickers liefen mehr und mehr nur noch hinter ihren wie entfesselt wirkenden Gegenspielern her. Der Ausgleich schien zu diesem Zeitpunkt durchaus möglich, er lag sogar zwei Mal in der Luft, doch kamen die WFV Angreifer jeweils einen Schritt zu spät.

 

Nach 59. Minuten hatte Kickers Trainer Bernd Hollerbach dann genug gesehen und brachte mit Steven Lewerenz und Christian Demirtas zwei Spieler seiner Regionalliga Stammelf auf den Rasen. Dieser Schachzug zeigte dann auch sogleich Wirkung. Die Kickers konnten das Spiel wieder etwas beruhigen und dadurch besser in den Griff bekommen und hatten ihrerseits wieder die Chance das Spiel zu entscheiden. Doch wieder war es WFV-Keeper Jan-Peter Grunz der sein Team ein ums andere Mal in der Partie hielt.

 

In der 81. Spielminute wurde dann Martin Eck zum tragischen Helden dieses 33. Würzburger Stadtderbys. In der 47. Minute noch als Torschütze gefeiert, verursachte er nun einen völlig unnötigen Foulelfmeter, den Kickers Routinier Christian Demirtas dann sogleich zur Entscheidung in die Maschen jagte.

 

Somit gewannen die Favoriten vom Dallenberg ein wirklich unterhaltsames und über weite Strecken auf Augenhöhe geführtes Derby dennoch verdient mit 3:1 und können sich nun in die verdiente Winterpause verabschieden, ehe es dann im März mit Volldampf in Richtung Meisterschaft der Regionalliga Bayern und den angestrebten Aufstieg in die dritte Liga geht.

 

Die Jungs vom Würzburger Fußball Verein können aber ebenfalls erhobenen Hauptes aus dieser Partie gehen, boten sie ihren Anhängern ein tolles und engagiertes Spiel zum Jahresende.

 

Besonders erwähnenswert ist dann noch die Tatsache, dass man wohl selten ein so friedliches, ja fast schon freundschaftliches Lokalderby zwischen diesen beiden Vereinen erleben durfte, was auch für die Zukunft hoffen lässt, dass die gegenseitigen Hasstiraden nur noch zwischen vereinzelten Anhängern beider Seiten bestehen.

 

Text: F.L.

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Kommentare: 2
  • #1

    Norbert Harzer (Montag, 01 Dezember 2014 12:00)

    Dieser Beitrag sollte nicht unkommentiert stehen bleiben. Ich denke, dass die Kickersfans die solidarische und als ehrliche Hilfe gemeinte Entscheidung der Vereinsführung insgesamt akzeptieren. Doch kann nach dem Verhalten der FV-Fans und insbesondere der blauen Verantwortlichen niemand ernsthaft erwarten, dass irgendwelche Kickersfans Geld in diese "Sportanlage" tragen.

    Die Ansetzung des Spiels nach einer langen Saison, bei einem gleichzeitig stattfindenden und wichtigen Spiel der 2. Mannschaft von Kickers (um die Meisterschaft der BZL West) und nicht zuletzt bei eisigen Temperaturen ist ein weiterer Beweis der Planungsunfähigkeit der FV-Führung. Dass so wenige neutrale Zuschauer oder Fans der Blauen erscheinen, werte ich so, dass der WFV weniger Leute interessiert und viele Fans mittlerweile (zurecht) zu enttäuscht von den Verantwortlichen dort sind. Insgesamt ist die Zahl von 322 Zuschauern ein Armutszeugnis und zwar nicht für Kickers oder die Stadt Würzburg, sondern für den WFV.

    Die Zuschauerzahl hätte höher sein können - vielleicht wenn das Spiel mit einer ausgeruhten, hungrigen FV-Truppe bei möglicherweise wärmeren Frühlingstemperaturen 2015 kurz vor dem Beginn der Rückrunde stattgefunden hätte. An regionalem Amateurfußball interessierte Zuschauer hätten dann vielleicht auch mehr Lust auf Fußball, da die Pause in den beiden fraglichen Ligen (RL Bayern/ BL Nord) von Dezember bis Anfang März recht lang dauert. Insgesamt erwarte ich von einem Nachrichtenportal eine etwas sachlichere Berichterstattung, die auch die Vergangenheit recherchiert und Zusammenhänge objektiv darstellt.

  • #2

    F.L. (Montag, 01 Dezember 2014 12:12)

    Hallo Norbert,

    zunächst einmal vielen Dank für den Kommentar. Das was Sie zur Terminauswahl schreiben ist mit Sicherheit größtenteils richtig. Allerdings hat der WFV diesen nicht komplett eigenständig ausgesucht. Dass es dennoch suboptimal war am letzten Spieltag der Amateurligen vor der Winterpause dieses Spiel abzuhalten ist dagegen absolut unstrittig.

    Sicherlich hätte man es auch als Vorbereitungsspiel auf die Rückrunde her nehmen können, allerdings ist da wieder fraglich wie es in den Zeitplan der Kickers gepasst hätte.

    Der etwas bissige Teil zum Kickers-Anhang ist darin begründet, dass in den Sozialen Netzwerken von dieser Seite teils sehr abfällig und unterhalb der Gürtellinie gegen die andere Seite geschrieben wurde, was aber auch wie im Artikel erwähnt an der Vergangenheit zwischen den beiden Klubs liegt. Hier wird ja am Ende des Artikels erwähnt, dass durchaus die Hoffnung besteht, dass man in der Zukunft etwas anders miteinander umgeht, was der Sache im Allgemeinen sicherlich schon dienlich wäre.